Rom und die Zwischenzeit

Unser Flug landete am frühen Morgen in Rom. Wir hatten ziemlich genau 8 Stunden Zeit, bis unser Flieger nach Frankfurt starten sollte, also machten wir uns auf den Weg Richtung Bahnhof. Obwohl wir wenig geschlafen hatten, freuten wir uns auf die Stadt…

Rom

Das erste, was uns nach der Landung auffiel, war die Sauberkeit. Diese Wahrnehmung passte nicht ganz zu den Vorstellungen, die wir von Rom in unseren Köpfen hatten. Jedoch war der Kontrast zu Delhi überdeutlich: Kein Müll, keine unangenehmen Gerüche…

Wir fühlten uns wie zu Hause. Wir waren noch nie in Rom, hatten aber sofort das Gefühl, uns auf bekanntem Terrain zu bewegen. Mussten wir uns in Asien anfangs noch mühsam an die Gegebenheiten gewöhnen (mittlerweile hatten wir aber auch hier keine Probleme mehr), lief in Rom alles wie gewohnt: Einreise, Tickets für den Zug, Essen, Stadtbild, ja selbst die Menschen: typisch europäisch. Bekannt. Wie Fahrrad fahren. Erleichterung, dem Smog, Dreck und Lärm Indiens entkommen zu sein, mischten sich mit der Vorfreude auf zu Hause und der Gewissheit, ein paar tolle Stunden in dieser Stadt zu verbringen.

Wir klapperten so viele Sehenswürdigkeiten ab, wie unsere Beine uns tragen konnten (die Innenstadt ist fußläufig gut zu erkunden) und genossen die Zeit. In einer Sache aber musste vor Allem ich mich noch umstellen: So hatte ich mir in Indien angeeignet, Menschen, die zu aufdringlich waren oder von denen wir uns bedrängt fühlten, recht deutlich und energisch anzugehen. In Rom hingegen verstanden die Leute ein „Nein“ sofort und wichen zurück, was mich anfangs etwas erstaunte, war ich doch anderes gewohnt.

Am Ende unseres Aufenthalts waren wir geschafft, aber glücklich. Die restliche Heimreise verlief gut, in Düren wurden wir herzlich empfangen und Simon bekam sein heiß ersehntes Schnitzel. Lecker!

Zwischenzeit

Simon konnte seinen Geburtstag zu Hause feiern, was ihm sehr wichtig war. Wir sahen unsere Familien und Freunde nach langer Zeit wieder, tauschten uns aus und feierten Weihnachten. Mein Bruder kam aus den USA. Wir aus Asien. Und bald würden wir uns wieder in die Welt verstreuen. Für eine kurze Zeit jedoch waren wir alle an einem Ort.

Niko sagte uns später, wir wären gar nicht richtig zu Hause gewesen. In unseren Köpfen waren wir entweder noch in Indien, oder schon auf der Weiterrreise. Das stimmte. Wir hatten viel zu verarbeiten und zu planen. Angekommen sind wir in den paar Wochen nicht.

Unser nächstes Ziel, so einigten wir uns nach Silvester, sollte Marokko sein. Da wir mittlerweile recht geübt in Reisevorbereitungen waren, hatten wir die Buchung von Flug, Mietwagen und Unterkunft in wenigen Stunden erledigt. Unsere bisherige Erfahrungen, nur mit Handgepäck zu reisen, waren durchweg positiv, und so wollten wir die Reise ebenso fortsetzen. Lediglich wärmende Kleidung und eine vernünftigte Kamera (mit den Fotos der Handykamera waren wir nicht immer zufrieden) mussten noch zusätzich verstaut werden.

Wir glaubten uns gut vorbereitet. Doch dann erzählte uns jemand auf einer Geburtstagfeier von seinen Erlebnissen aus Marokko. Die atemberaubende Landschaft, die Städte. Aber auch von aufdringlichen Menschen, die einen nicht in Ruhe lassen würden. Wir fühlten uns unweigerlich an Indien erinnert und waren beunruhigt (auf derartige Erfahrungen konnten wir erstmal verzichten). Ganz klar: Solche Erlebnisse mussten wir auch nicht mehr machen. Diese kleine Geschichte lässt uns heute über uns selbst schmunzeln: Zum einen, weil wir ein wunderschönes Land mit wundervollen Menschen kennenlernen durften und zum anderen, weil wir uns von Erzählungen derart haben verunsichern lassen. Erfahrungen sind immer auch subjektiv und müssen im jeweiligen (Entstehungs-) Kontext betrachtet werden. Wir haben Marokko sicherlich nicht zuletzt so erlebt, weil wir vorher in Indien waren.

Als wir dann eines Abends in Marrakesh landeten und unsere ersten Schritte auf marokkanischem Boden unternahmen, waren unsere Sorgen verflogen.

Relax, we survived India…

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