Ausgangssperre

Da haben wir am Samstag Vormittag noch über die Situation in Deustchland gelächelt. Schulen werden geschlossen, das öffentliche Leben weitestgehend eingestellt. Und bei uns? Wir befinden uns noch im Norden von Gran Canaria. Von Corona war bis Samstag nichts zu spüren. Keine Hamsterkäufe, keine Menschen mit Atemschutz. Alle wirkten entspannt. Wir genossen die Zeit bei Wanderungen oder an Hafen und Strand und süffelten gemütlich unseren Kaffee. Das Leben konnte in diesen Momenten nicht besser sein. Entschleunigung. Die Familie kam zur Ruhe.

Dann trat Spanies Premier am Samstag Nachmittag vor die Presse und verkündete einen landesweiten Shutdown. Wir erfuhren davon im Restaurant, wo wir am Abend einen äußerst guten und frisch gefangenen Fisch essen durften (und Simon sein heiß geliebtes Schnitzel). Der erste Schreck saß. Was hieß das für uns? Erstmal sammelten wir alle verfügbaren Informationen, befragten die Kellnerin. Kurzum: Seit Montag gilt nun eine Ausgangssperre. Cafes und Restaurants bleiben geschlossen. Das Haus darf nur bei Dringlichkeit verlassen werden, wozu auch mit dem Hund Gassi gehen gehört. Das tolle daran: Hier hat scheinbar jeder einen Hund :-).

Eigentlich hatten wir für Dienstag unsere Weiterreise nach Teneriffa geplant. Am 01.04. sollte es dann von dort aus nach Hause gehen. Flüge waren alle gebucht. War daran jetzt noch zu denken? Wir wollten weiter, freuten uns sehr auf die neuen Eindrücke und den Abschluss unserer großen Reise. Aber macht das alles noch einen Sinn, wenn man das Haus bzw. Hotel nicht verlassen darf? Kommen wir demnächst überhaupt noch von den Inseln runter? Eben. Daher haben wir noch am Samstag einen Rückflug nach Düsseldorf für den morgigen Dienstag gebucht. Leider geht dieser über Madrid, was uns zwar keine Angst aber doch etwas Sorge bereitet. Werden wir überhaupt nach Hause kommen? Schließt der Flughafen in Madrid wie auch kürzlich die Flughäfen in Rom? Werden wir irgendwo festsitzen?

Im Moment ist es nicht das Virus was uns Sorgen macht, sondern ganz einfach die Logistik und zunehmende Abschottung der einzelnen Staaten. Mit Kindern irgendwo zu stranden macht keinen Spaß. Stand Jetzt: Die Airline hat uns auf einen Flug mit kürzerer Wartezeit in Madrid umgebucht (2 statt 9 Stunden). Hoffentlich bleibt das so…

Aber in Summe sind wir noch recht entspannt. Die Menschen scheinen hier ganz anders mit der Bedrohung umzugehen. Selbst heute, am ersten Tag des Shutdown, gibt es keine Hamsterkäufe. Nudeln, Klopapier und sogar Desinfektionsmittel sind reichlich in den Regalen vorhanden. Keine Schlangen vor den Supermärkten, wir erhielten aber vor Betreten des Lidl Einmalhandschuhe. Im Gegensatz dazu hörten wir aus Deutschland schon vor Wochen, das bestimmte Artikel nicht zu bekommen seien. Unser momentaner Eindruck: Wir „flüchten“ von einer Insel, auf der es erst 22 Fälle von Corona gibt (stand gestern) und reisen in ein Hochrisikogebiet (Heinsberg ist ja nicht so weit weg). Panik in Deutschland, (noch) Besonnenheit auf den Kanaren. Natürlich können unsere Eindrücke täuschen, sind sie doch höchst subjektiv. Zwar denken wir mit dem Reiseabbruch richtig entschieden zu haben (insbesondere im Hinblick auf die Gefahren durch das neue Virus), falsch und fast schon hysterisch fühlt es sich zum jetzigen Zeitpunkt trotzdem an.

Information und Transparenz

Es war und ist für uns nicht leicht an aktuelle und uns betreffende Informationen zu gelangen. In dieser Hinsicht bin ich insbesondere von den offiziellen Seiten (auch die sonst sehr aktuelle App) des auswärtigen Amtes und der deutschen Botschaft in Madrid enttäuscht. Hier hätte ich mir mehr Informationen zur Lage in Spanien und wie ich mich verhalten sollte erhofft. Stattdessen sind dort seit Tagen die gleichen Inhalte zu lesen, mittlerweile hoffnungslos veraltet. So etwas schürt meiner Meinung nach nur Frust und trägt nicht zu der gerade in solchen Momenten wichtigen Besonnenheit bei.

Für uns heißt das: Spanische Seiten mittels google ins Deutsche übersetzen, aufs Bauchgefühl hören. Und darauf hoffen, dass wir spätestens in Düsseldorf entsprechende Infos erhalten, wie wir uns als Spanien-Rückkehrer verhalten sollten. Aber da mache ich mir keine Illusionen.

Bis dahin: Ruhe bewahren. Alles wird gut. Wurde es bisher schließlich auch.

Hoffentlich bis bald,

Daniel

2 Antworten auf „Ausgangssperre“

  1. Kommt gut nach Hause – drück euch die Daumen dass alles gut geht!
    Mein Neffe sitzt mit 2 Freunden im Moment in Palma de Mallorca fest und möchte am Donnerstag – hoffentlich- nach Hause fliegen

    Herzliche Grüße aus Speyer Ulla

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