Kanarische Inseln

Lena und ich hatten den Kindern schon viel über Lanzarote erzählt. Wir schwärmten oft von der Kargheit der Insel, dem Vulkanismus und künstlerischen Schaffen des César Manrique. Am frühen Morgen landeten wir nun also in Arrecife und wollten unsere Söhne zum Staunen bringen. Ob das wohl funktioniert hat?

Lanzarote

Natürlich waren die 3 nicht nur begeistert. Wir hatten uns für Tag 1 wahrscheinlich zu viel vorgenommen. Auf Begeisterung stießen wir beim Besuch der „Cueva de los Verdes“, einem riesigen System von Lavahöhlen, welche kilometerweit durchlaufen werden können. Langeweile kam hingegen beim Wohnsitz von César Manrique und den „Jameos del Agua“ auf. Sowohl das Haus als auch die Kulturstätte sind in Lavahöhlen gebaut und hatten Lena und mich anderthalb Jahre zuvor in ihren Bann gezogen. Gleiches galt für das „Mirador del Rio“, ein atemberaubender, in den Fels geschlagener Aussichtspunkt im Nordwesten der Insel. Wunderschön. Unsere Kinder wollten aber zu unserer ersten Unterkunft in Playa Blanca (konnten wir ihnen auch nicht verübeln, Reisetage sind meist anstrengend), welche wir nach einem kurzen Fotostop oberhalb des Playa de Famara auch ansteuerten.

Uns erwartete ein sehr geräumiges Ferienhaus im Osten der Ortschaft in der Nähe der Papagayo-Buchten. Einfach eingerichtet, dafür aber mit (eiskaltem) Pool und absolut ruhig gelegen. Wir wollten eine Woche bleiben, letztlich wurden es 10 Tage. Unser Gastgeber war äußerst nett und zuvorkommend. Von hier unternahmen wir die Ausflüge ins Umland und entdeckten, was uns allen wirklich in den letzten Monaten gefehlt hatte.

Ruhe und Einsamkeit

Vielleicht schwer zu glauben, aber uns fehlte wirklich die Zeit, all unsere Eindrücke, Erfahrungen und Erlebnisse der letzten Monate zu verarbeiten. Überall, wo wir bisher waren, gab es viel Neues. Dinge, die wir noch nie gesehen, gefühlt oder geschmeckt hatten. Wir gönnten uns wenig Ruhe, waren meist von dem Willen getrieben, möglichst viel „mitzunehmen“. Einerseits gut, wir bereuen nichts und haben unendlich viel erlebt! Andererseits war uns aber nicht bewusst, wie anstrengend das Reisen sein kann und das der Geist irgendwann auch mal Ruhe braucht. Und so verbrachten wir viele Stunden an schroffen Felsküsten, völlig allein, beobachteten die Gezeiten, liefen mit den Wellen um die Wette, schlossen Wetten ab, welche Welle wohl die Größte sein würde und schauten oft stundenlang auf den Ozean. Ein Traum.

Ausflüge

Die Insel war im Februar noch ziemlich leer. Nirgends war es überlaufen, wir fanden auch an den Touristen-Hotspots genug Platz. Wir durchwanderten das Lavameer am Rande des timanfaya-Nationalparks und staunten, wie groß die Hitze im Boden der Insel ist. Wir konnten atemberaubende Sonnenuntergänge am „Hausvulkan“ von Playa Blanca beobachten und genossen die Zeit an den Playas de Papagayo. Timo und Jona kletterten gefühlt den ganzen Tag auf Felsen und spielten im Sand. Die Kinder lernten viel über Vulkanismus, Flechten und was das alles mit Erosion zu tun hat. Wir fühlten uns rundum wohl.

Die „Besteigung“ des Caldera Blanca durfte natülich auch nich fehlen. Ein ehemelaliger Vulkan, welcher über seine Rändern bestiegen werden kann und atemberaubende Blicke in die Tiefe und das Umland ermöglicht. Als wir dort waren, fegte ein heftiger Wind über die Anhöhen, so dass viele Wanderer umkehrten. Wie entschlossen uns dennoch weiterzugehen, waren aber auch froh, als wir uns nach dem Abstieg keine Sorgen mehr machen mussten, dass Timo davonfliegt (es machte Timo zwar Spaß, Vorsicht war aber jederzeit geboten).

Nach 10 Tagen verließen wir die Insel mit der Fähre in Richtung Fuerteventura. Etwas wehmütig zwar, aber wir konnten zu diesem Zeitpunkt unmöglich ahnen, dass uns unser neues Ziel fast noch besser gefallen würde.

Fuerteventura

Irgendwie staubig, das braun-rötliche Gelände stark zerklüftet, alles wirkte irgendwie gleich und fast schon langweilig. So in etwa waren unsere ersten Gedanken, als wir die Insel erreichten. Wir waren zunächst etwas enttäuscht und brauchten ein paar Tage, um die versteckte Schönheit und Einzigartigkeit von Fuerteventura zu entdecken. Aber dann wollten wir nicht mehr weg…

Unsere Unterkunft war in Puerto Lajas. Wir hatten ein geräumiges Reihenhaus mit großer Dachterrasse mit Blick auf das verschlafene Dörfchen gemietet. Wir verbrachten einige Zeit am feinen Kiesstrand und genossen die Luft und Ruhe im Café.

Parque Natural de Corralejo

Als Erstes erkundeten wir die weiläufige Dünenlandschaft von Corralejo. Kilometerweit nur schneeweißer Sand, zu Dünen angehäuft, teils weich, teils bretthart. Die ganze Gegend blendet, der Anblick ist surreal. Wir hatten bei unserem ersten Besuch nur wenige hundert Meter bis zum Meer, welches aber für die Kinder zur Nebensache wurde. Jona und Timo rannten, kletterten und kullerten über die Hügel, von oben bis unten voller Sand und hatten eine riesigen Spaß.

In der Hauptsaison ist es hier sicherlich voll, wir hatten jedoch Gück, da das Areal im Februar vergleichsweise wenig besucht war. Die schier unendlichen Parkbuchten am Straßenrand waren fast leer. Wir besuchten die Dünen mehrfach und fanden immer ein Plätzchen in einer der Steinburgen (Windschutz!).

Ein merkwürdiger Anblick sind jedoch die beiden großen, aktiv genutzten Hoteltürme direkt am Strand. Völlig unverständlich, wie man solch einen Komplex inmitten eines Naturschutzgebietes errichten konnte. Wie wir des Öfteren bemerkten, schien man es mit dem Naturschutz in der Vergangenheit auf den Kanaren nicht immer so genau genommen zu haben. Das betrifft nicht nur die Dünenlandschaft, auch auf Lanzarote und an anderen Stellen auf Fuerteventura finden sich Ruinen halb fertiggestellter Hotels, Bungalowparks oder anderer Ferienanlagen. Scheinbar ging man von einem Boom aus, den es (glücklicherweise) nicht gegeben hat. Heute geht von diesen „hidden places“ eine gewisse Anziehungskraft aus. Wir waren nicht die Einzigen, die hier versuchten altes und neues zu entdecken, verstecken spielten, kletterten oder einfach nur verweilten.

Calima

Ich habe als Jugendlicher wahrscheinlich zu viel ferngesehen. Bei dem Wort „Calima“ denke ich als erstes an eine Szene aus „Indiana Jones und der Tempel des Todes“. Vielleicht geht es euch auch so, falls nicht, vergesst es einfach. Brain junk.

Auf jeden Fall war der mehrtägige Calima ein besonderes und einzigartiges Naturschauspiel, eine Wetterlage, welche enorme Mengen Saharastaub auf die Kanaren trägt. Der Himmel verfärbte sich braun-rot, die Sonne schien nur noch schwach hindurch. Die Sichtweite fiel auf wenige hundert Meter und die Luft war extrem staubig. Der Flugverkehr wurde eingestellt, das Leben auf den Inseln kam zum Erliegen. Wäsche trocknen im Freien war unmöglich. Verließen wir das Haus, waren binner kürzester Zeit Kleidung und Haare völlig erstaubt. Unser Auto sah nach 3 Tagen aus, als hätten wir eine Wüstensafari unternommen. Ein unvergessliches Erlebnis, welches wir aber auch bald satt hatten. Wir nutzen die Zeit trotzdem zur weiteren Erkundung. Staubige Luft? Pah. Wir haben schon Schlimmeres erlebt…

Der Westen

Wir hatten in den Tagen zuvor bereits die Westküste der Insel kennengelernt (insb. den Playa Jarugo) und so zog es uns auch während des Sandsturms dorthin. Wenig erschlossen, dünn besiedelt und unendlich weit, so könnte man diesen Teil der Insel beschreiben. Je näher man der Küste kommt, desto schlechter werden die Straßen, die letzten Kilometer bis zum Meer sind nur noch Geröllpisten. Hat man den Weg dann geschafft, wird man mit einsamen Buchten, schroffen Felsen und einer Ruhe belohnt, die nur durch das Rauschen von Meer und Wind begleitet wird. Hier verbrachten wir viele Stunden, teils kletternd und tobend, teils saßen wir nur still da und beabachteten die Gezeiten. Zum Baden war es jedoch zu kalt und zu gefährlich. Strömungen und Wellen ließen allenfalls vereinzelte Wellensurfer sicher wieder an den Strand.

Als der Sandsturm abgezogen war und der Himmel wieder klar wurde, vergößerten wir unseren Aktionsradius.

Isla de Lobos

Eines der Highlights war unser Ausflug auf das kleine Inselchen im Norden von Fuerteventura. Ein Naturschutzgebiet, welches „offiziell“ nur von einer sehr begrenzten Anzahl von Touristen pro Tag besucht werden darf, was aber zumindest im Februar niemanden interessierte (es waren definitiv mehr Menschen dort als erlaubt). Wir hatten die Wahl, entweder mit einer kleinen Fähre oder mit „Schnellbooten“ überzusetzen. Die Entscheidung fiel auf die Schnellboote, was wir definitiv nicht bereuen! Platz für 10, 200 PS! Wir flogen über das Wasser. Ohne Schwimmwesten. Wir hatten „etwas“ Sorge um die Kinder. Der Bootsführer war im Gegensatz zu uns unglaublich entspannt. Gebräunt, Sonnenbrille, stets ein Lächeln im Gesicht, nur eine Hand am Lenkrad. Ob er sich an dem leichten Unbehagen seiner Passagiere erfreute? Wir werden es wohl nie erfahren. Auf halber Strecke rief er alle Kinder zu sich (mit Jona und Timo waren es 4) und ließ die Kleinen der Reihe nach ans Steuer. Ein Mädchen traute sich nicht, auch Timo war seine Verunsicherung anzusehen, jedoch schien die Gelassenheit des Bootsführers zu wirken. Jona und Timo griffen zaghaft nach dem Lenkrad und hatten nach kurzer Zeit sichtlich Spaß. Verrückt.

Zurück zu unserem Ausflugsziel, dass nach dem morgendlichen Adrenalinstoß beinahe zur Nebensache geriet. Die Insel ist wunderschön. Karg, aber dennoch eindrucksvoll. Von den höhergelegenen Punkten erscheint einem die Landschaft mondähnlich. Es gab zahlreiche kleine Buchten zum Verweilen. Im Norden erreichten wir einen alten Leuchtturm, von wo aus wir Lanzarote sehen konnten, überhaupt beeindruckte uns die Insel durch die wechselnden Aussichten. Am späten Nachmittag entspannten wir in einer sichelförmigen Bucht nahe des Anlegers und badeten im ruhigen, glasklaren Wasser, bevor uns unser Rennboot am Abend wieder nach Corralejo brachte.

Der Süden

Eine Stunde Fahrt mir dem Auto, die sich gelohnt hat. Dreimal fuhren wir in die Gegend von Jandia und hatten viel zu entdecken.

Da waren die Strände von Jandia, die von einer enorm großen Sandbank gebildet werden, welche bei Ebbe und Flut stets leicht ihre Form verändert. Hier war es stets sehr windig und so nutzten unzählige Kitesurfer diese einzigartigen und flachen Gewässer um ihrem Hobby nachzugehen. Die Surfer sausten über das Wasser, unternahmen teils meterhohe Sprünge. Wir staunten nicht schlecht über den bunten Himmel voller Drachen (und fragten uns, wieso sich deren Schnüre untereinander nicht verknoten).

Die Insel ist um Jandia nur wenige Kilometer breit und scheint dort auch fast nur aus weißen Sandbergen zu bestehen, bevor in Richtung Südwesten das Gebirge wieder hoch emporsteigt und sich interessante Fabverläufe zwischen Sand und Stein zeigen. In dieser Gegend unternahmen wir eine unvergessliche Wanderung: Wir starteten an der Südseite und folgten einem Weg, der uns zur Nordseite bringen würde, über Sandberge, durch ausgetrocknete Flusstäler und karge Landschaften. An der Nordseite angekommen, hielten wir uns westwärts und wurden nach kurzer Zeit mit einem Ausblick belohnt, der seinesgleichen sucht: Der Blick war von hier aus bis zur Westspitze der Insel frei, ein Panorama von Bergen, Sand, Meer und einem unberührten Strand, der bis zum Horizont zu reichen schien. Mit dem Auto unerreichbar und daher menschenleer. Wir pausierten an einem schönen Strandabschnitt, die Kinder bauten Häuser aus Treibgut und wir ließen die Seele baumeln. Der Rückweg zeigte sich abenteuerlich, da wir zunächst vergeblich nach Markierungen suchten. Endlich gefunden, stiegen wir über einen Gebirgskamm zurück auf die Südeite der Insel. Der letzte Teil des Weges führte uns durch eine trockenes Flussbett, vorbei an den Überresten einiger toter Ziegen, zurück zu unserem Ausgangspunkt. Wie wir erfahren hatten, wurden in diesem Gebiet auch Teile eines Star-Wars Films gedreht. Durchaus passend.

Abreise

Anfang März ging es dann per Flugzeug weiter nach Gran Canaria. 30 Minuten Flug, vom Gefühl her, als würde man Bus fahren. Keine reservierten Sitzplätze, das Gepäck konnte man selbst in den Gepäckraum stellen. Der Pilot steigt 5 Minuten vor Abflug in die Maschine (mit Warnweste, niemals hätte ich den für den Piloten gehalten), fuhr rasant bis zur Startbahn, startete ohne Pause direkt durch. Für die Bewohner der Inseln ist der Flug zwischen den Inseln nicht nur normal, sondern auch mehr als erschwinglich. Während wir „normale“ Preise bezahlt haben, zahlen „Residents“ nur einen Bruchteil…

Gran Canaria

Nach dem gewohnten Prozedere am Flughafen fuhren wir, da es noch recht früh war, mit dem Mietwagen zur „Caldera de Bandama“, einem Vulkankrater, der lange Zeit sogar von Bauern bewohnt wurde und nun als Ausflugsziel dient. Hier gefiel es uns so gut, dass wir beschlossen, in den kommenden Tagen erneut hierherzukommen. Der Aufenthalt im Kegel hatte seinen ganz eigenen Reiz.

Erste Unterkunft und Maspalomas

Im Anschluss fuhren wir zu unserer ersten Unterkunft in der Nähe des Küstenstädtchens Arinaga. Es erwartete uns ein kleines schmuckes Reihenhäuschen nur wenige Kilometer von der Küste auf der einen und den Bergen auf der anderen Seite.

Wir besuchten als Nächtes die viel gepriesene Dünenlandschaft von Maspalomas und waren…enttäuscht. Nachdem wir die Dünen von Corralejo auf Fuerteventura gesehen hatten, konnte die diese touristisch überlaufene Gegend nicht mehr mithalten. Gelber Sand (bei Corralejo ist alles blendend weiß) und obwohl noch Nebensaison war, viel zu viele Menschen. Die touristische Infrastruktur ist allerdings, wenn man Wert darauf legt, mehr als gut. Hotels, Restaurants und Cafes reihen sich aneinander. Leider wirkt die Stadt dadurch wie eine gewaltige Bettenburg. Daher mein persönlicher und völlig subjektiver Tipp: Für atemberaubende Dünen auf den Kanaren müsst ihr nach Corralejo. Vergesst Maspalomas. Es sei denn ihr steht auf Pauschaltourismus.

Gibt auch keine Bilder.

Ansonsten hat Gran Canaria sehr viel zu bieten. Uns zog es an den folgenden Tagen mehr ins Inland und wir besuchten den „cocodrilo park“. Neben Krokodilen beherbergt die Anlage eine Vielzahl exotischer Tiere, die meist aus nicht artgerechter Tierhaltung stammen oder ausgesetzt wurden. Die Anlage dient daher auch als Aufnahmestation. Eine sehr kinderfreundliche Anlage, Timo durfte sogar eine kleinen Alligator auf den Arm nehmen.

Die Berge

Die meiste Zeit unserer ersten Woche verbrachten wir aber in den Bergen. Wir durchwanderten Täler und Schluchten, erkundeten Höhlen und erklommen natürlich den höchsten Berg der Insel, den „Pico de las Nieves“. Aber der Reihe nach:

Unser Ausgangspunkt lag meist in der Gegend um Santa Lucia, ein malerisches Bergdorf, gepflegt und von besonderer Schönheit. Die engen Gassen, der weite Dorfplatz mit Springbrunnen, die Kirche, die zentral gelegene Schule. Es wirkte wie aus „einem Guss“. Wanderer, Rad- und Motorradfahrer legten hier Pausen ein. Wir tranken (erstklassigen) Kaffee und genossen den Flair.

Wir besuchten zweimal das Höhlensystem „La fortaleza de Ansite“, eine archäologische Stätte, wohin die letzten Ureinwohner der Insel sich zurückzogen, bis die Spanier sie schließlich 1483 besiegten. Neben atemberaubenden Ausblicken in die Umgebung boten die Felsen und „Wohnhöhlen“ Jona und Timo jede Menge Möglichkeiten zum Klettern und Erkunden.

Für die Besteigung des „Pico de las Nieves“ hatten wir uns, ohne es zu wissen, eine Tag ausgesucht, an welchem der „Trans Gran Canaria“ stattfand. Hierbei handelt es sich um eine „Lauf“, an welchem die Teilnehmer eine Strecke von bis zu 128 km und schlappe 7000 hm quer über die Insel in höchstens (ich meine) 30 Stunden absolvieren sollen. Dementsprechend „fertig“ sahen die Teilnehmer auch aus. Wir mussten, aufgrund des Laufs sehr angespannten Parkplatzsituation, eine Alternativroute für unsere Besteigung auwählen, die allerdings ihren Reiz hatte. Steile Hänge, kaum erkennbare Pfade. Völlig allein kraxelten wir den Berg hinauf, dieser Weg wurde sonst scheinbar kaum genutzt. Als wir schließlich den „Hautweg“ zum Gipfel erreichten, konnten wir diesen aufgrund der vielen Läufer kaum nutzen. So bestand der restliche Aufstieg aus häufigem Ausweichen, Warten und Anfeuern der Sportler*innen.

Als wir den Gipfel schließlich erreichten bot sich uns ein atemberaubender Blick über die Insel bis nach Teneriffa, wo wir den höchsten Berg Spanies gut erkennen konnten. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Näher sollten wir dem Teide, zumindest in diesem Jahr, nicht mehr kommen.

Agaete – der rauhe Norden

Weiter ging es zu unserer zweiten und letzten Unterkunft auf Gran Canaria, in die Nähe von Agaete. Hier verbrachten wir einige sehr ruhige und entspannte Tage direkt an der Küste. Es war meist windig, aber warm. Wir nutzten die Zeit für eine kleine Wanderung hin zu einer kleinen Bucht südlich des Städtchens. Steile Hänge, rauhe Felsen und hohe Wellen begleiteten uns. Das Panorama entlang der Küste war einfach schön. Wir genossen die Zeit am Kiesstrand, tranken Kaffee, aßen erstklassigen Fisch im Restaurant. Mit Jona und Timo beobachteten wir die Schnellfähre, die mehrmals täglich in Richtung Teneriffa ablegte. Hier konnten wir die Seele baumeln lassen, die Entspanntheit, die dieser Ort ausstrahlte, färbte schnell auf uns ab.

Von besonderem Reiz waren für uns die ehemaligen Salinen entlang der Küste (so auch in Agaete), die heute als Naturschwimmbäder genutzt werden. Diese füllen sich bei Flut stets mit frischem Wasser und nehmen der Brandung ihre „Wucht“, so dass auch ungeübte Schwimmer hier sicher baden können. Bei Ebbe fließt dann ein Teil des Wassers wieder ab, so das der Wasserstand stetig schwankt. Viele Besucher liegen rund um die Becken, baden und sonnen sich. Unsere Kinder hatten eine Riesenspaß.

Ein geplanter Ausflug zum „Playa de Guayedra“, einem Strand, der nur über eine kilometerlange Wanderung erreicht werden kann, musste leider ausfallen, da wir uns die letzten 2 Tage im „Lockdown“ befanden. Man durfte die Wohnung nur zum Einkaufen verlassen, die Regeln in Spanien waren um einiges härter als in Deutschland. Für uns kam die Nachricht überraschend, wir hatten nicht mit einem solch einschneidenden Schritt gerechnet. Wie ich bereits andeutete, mussten wir die weitere Reise in Richtung Teneriffa abbrechen und auf schnellem Wege einen Flug in die Heimat buchen. Interessanterweise verlief alles problemlos, der Flug !!2 Tage später!! hatte noch ausreichend (und vor allem günstige) Plätze für uns, lediglich die Route über Madrid machte uns etwas Sorgen (es gab aber keine Alternative). Letztlich verlief aber alles gut.

Unverständnis

Nur eine Sache verstand und verstehe ich bis heute nicht: Alle Welt sprach über die erschreckend hohen Fallzahlen in Madrid, jedoch war es schwierig, an verlässliche Informationen für Reisende zu kommen. Die sonst so viel gelobte App des auswärtigen Amtes versagte nahezu komplett, die dortigen Informationen waren schlichtweg veraltet. Wir mussten uns auf Informationen der spanischen Medien verlassen, nachdem wir ganze Internetseiten durch den Übersetzer gejagt hatten. Und bei der Ankunft unseres Fluges in Düsseldorf? Ich hatte erwartet, dass wir aufgeklärt werden, wie wir uns als Rückkehrer !!aus Madrid!! zu verhalten hätten. Aber? Nichts. Nicht mal eine Infotafel. Kein Hinweis. Also taten wir, was alle taten: Wir gingen zur Bahn und fuhren nach Hause. Wie immer. Hätte ein guter Freund nicht rein zufällig Informationen des zuständigen Ministeriums in die Hände bekommen und uns zugesendet, wir hätten nicht gewusst, welche Regeln für uns galten.

Mich hat das damals maßlos geärgert. Wer hat denn schon die Zeit, das Netz den ganzen Tag nach Informationen abzusuchen, um irgendwann das Passende zu finden? Ich vertrete ja die Meinung, dass wichtige Infos den Weg zu einem finden müssen und nicht andersherum. Und für genau solche Fälle gibt es doch Apps wie „Sicher reisen“. Hier hat eine ganze Gruppe von Zuständigen/Verantwortlichen meines Erachtens total versagt. Vom Zustand am Düsseldorfer Flughafen mal ganz zu schweigen. Die oft gehörte Begründung „das war ja auch anfangs alles chaotisch und ging so schnell“ ist für mich keine Entschuldigung. Eine paar informative Sätze mit Links zu den richtigen Stellen hätte vollkommen ausgereicht. Oder ein kurzer Text auf einem Bildschirm am Flughafen. Ein Aufwand von wenigen Minuten. Das muss auch bzw. gerade im Chaos möglich sein…

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