Busan, Südkorea

Busan ist nach Seoul die zweitgrößte Stadt Südkoreas. Wir haben die Millionenstadt für eine Woche besucht und sie hat uns sehr positiv überrascht. Vor unserer Reise nach Südkorea hatten wir noch keine genaue Vorstellung von dieser Stadt. Wir dachten, sie würde vielleicht Tokyo ähneln, doch weit gefehlt! Obwohl beides asiatische Metropolen sind, unterscheiden sie sich nicht nur äußerlich, sondern auch die Menschen sind hier anders. Das erste, was Daniel nach dem Verlassen der Fähre auffiel, war „Es ist laut hier.“

Busans Farbenpracht

Während Tokyo, Osaka, Kyoto und wahrscheinlich im Allgemeinen japanische Städte sehr ruhig, sauber und gepflegt und mit geringem Verkehrsaufkommen waren, treffen wir in Busan auf viele breite Straßen mit viel Verkehr, Gehupe und nicht besonders sauberen und akkuraten Straßen und Gehwegen. Diese Stadt erinnert uns mehr an europäische Städte, die es auch nicht so genau nehmen, z.B. bei der Verlegung von Gehsteig-Platten. Vordergründig sieht die Stadt sehr nobel und wohlhabend aus, die Nebengassen erzählen jedoch auch von Armut und Überlebenskünstlern. So wird zum Beispiel kaum etwas weggeworfen, die ausrangierten Haushaltsgegenstände oder Möbel werden vor den engen und schon beinahe baufälligen Häusern aufeinander geschichtet und mit Planen abgedeckt, in der Hoffnung, diese auf den hier oft vorhandenen Straßentrödelmärkten für etwas Geld zu verkaufen oder zu tauschen.

Die Menschen in Busan

… scheinen im Allgemeinen freundlich und offen zu sein. Auf den Straßen und in den U-Bahnen hören wir sie des öfteren sich laut unterhalten und lachen. Im Gegensatz zu Japans Angepasstheit und regelkonformem Verhalten wirken die Menschen hier individualistischer insbesondere ihren Kleidungsstil und ihr gesamtes Äußeres betreffend. Timo wird zu seinem Unglück von sehr vielen überwiegend älteren Menschen geknuddelt, durch die Haare gewuschelt und an Armen oder Gesicht gestreichelt. Mittlerweile ist er ein Profi, auf Fragen wie „What’s your Name?“, „How old are you?“ oder „Where do you come from?“ zu antworten. Er lässt alles höflich über sich ergehen und ich erkläre ihm jedesmal, dass die Menschen es nur gut meinen und ihn einfach süß finden. So langsam findet er es aber nicht mehr lustig. Selbst von der Hotelbetreiberin wird er jeden Morgen beim Frühstück gekuschelt und gedrückt, einhergehend mit einem koreanischen Wortschwall, den niemand von uns versteht. An einem Morgen versuchte er ihr aus dem Weg zu gehen und setzte sich schnell an seinen Platz, was jedoch auch nicht half, da sie dann zu ihm kam.

Persönliche Gedanken

Was ich in diesem Zusammenhang bemerken möchte ist, dass gerade ältere Menschen aufgeschlossen und interessiert auf uns zukamen, uns Fragen bezüglich Herkunft und Vorhaben stellten und das in gutem Englisch! Die jüngere Generation, und damit meine ich unsere und noch jüngere Menschen, können schlechter Englisch sprechen und sind überwiegend ihren Smartphones zugetan. Wir fragten uns, ob diese Offenheit Fremden gegenüber und die guten Englischkenntnisse nicht vielleicht ein Übrigbleibsel des Korea-Krieges sind und ob den jüngeren Generationen, wenn diese sich nicht mit ihrer Vergangenheit und mit anderen Kulturen auseinandersetzen, nicht etwas sehr Wertvolles verloren geht. Vielleich entsteht Fremdenfeindlichkeit gerade dann, wenn man den „Fremden“ einfach nur als fremd betrachtet und nicht als ein Individuum wie sich selbst oder sogar einen Freund.

Zurück zu Busan

Busan haben wir als eine sehr reizvolle und vielfältige Stadt erlebt. Hier besuchten wir nicht nur die schönen Strände, die zu dieser Zeit im September weniger belebt, dafür aber wunderschön sind, mit super Verhältnis von Wassertemperatur zur Umgebungstemperatur (Mit 27Grad ein prima Badewetter, doch die Koreaner sind nicht ins Wasser gegangen, sondern haben lediglich Fotos, vor allem Selfies gemacht oder vollständig bekleidet unter einem Sonnenschirmchen gesessen. Im Wasser oder am Strand liegend mit Badekleidung waren fast ausschließlich Touristen!)

Etwas Kultur, bitte!

Weiterhin suchten wir das Gamcheon Culture Village auf, ein ehemals für die Flüchtlinge aus den Korea-Krieg eingerichtetes Stadtviertel, welches sich am Hang eines Berges befindet. Nach dem Krieg handelte es sich um eine Barackenstadt, heute aber ist es ein wunderschönes Kultur-Dorf, worin viel Liebe zur Kunst und zum Detail und unglaublich viel Phantasie steckt.

Wer etwas mehr über die Geschichte des Landes erfahren möchte, geht natürlich ins Museum. So auch wir. Im Busan-Museum und auf dem UN-Cemetery haben wir sehr viel über den Korea-Krieg und die Geschichte des Landes sowie Busans erfahren.

Naturerlebnis pur!

Doch gibt es hier nicht nur „typisch Großstadt“ Museen und riesige Einkaufszentren . Man braucht gar nicht weit mit dem Bus oder der U-BAHN zu fahren, um wunderschöne und überwältigende Natur zu erleben. Am letzten Tag vor der Abreise sind wir einen Küstenwanderweg bis zu einem der Strände Busans gelaufen. Wow! Hoffentlich transportieren die Bilder wenigstens ansatzweise die überwältigende Schönheit und Kraft der Natur!

Am 18.09. ging es per Flugzeug weiter auf die Insel Jeju.

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