
Nach dem Frühstück begaben wir uns mit dem Bus (280 Rubel für 10 Personen, ca. 4€) quer durch die Stadt zur örtlichen Meldestelle, da wir uns als Ausländer innerhalb von 7 Tagen in Russland melden müssen. Man teilte uns jedoch mit, dass eine Meldung erst nach 7 Tagen Aufenthalt an einem Ort notwendig ist, was auf uns nicht zutrifft, da wir regelmäßig den Ort wechseln.
War uns zu Beginn schon der enorme Unterschied zwischen Arm und Reich aufgefallen, so wurde er beim Betreten der Meldestelle noch deutlicher. Diese befand sich in einem riesigen Einkaufszentrum, welches es in dieser Größe selbst in Köln (Krasnodar ist mit 800.000 Einwohnern etwas kleiner) nicht gibt. Unsere Gastgeberin erwähnte nebenbei, dass sie es sich gar nicht leisten könnte hier einkaufen zu gehen (sie muss mit weniger als 200€ im Monat auskommen), sie wäre in ihrem ganzen Leben erst zweimal dort gewesen. Hierzu sollte man wissen, dass Grundnahrungsmittel zwar recht günstig sind, die meisten anderen Produkte jedoch in etwa dasselbe kosten wie in Deutschland.
Gegen Mittag ging es mit dem Taxi weiter nach Ladoschskaja, die alte Heimat von Lenas Familie. Das Taxi kostete für die knapp 100 km und 8 Personen umgerechnet ca. 40€. Sicherheitsgurte suchte man jedoch vergeblich. Am Ziel angekommen konnte Lena ihre alte Grundschule besuchen, die wie aus der Zeit gefallen wirkte. Vieles, auch die Toiletten (Plumpsklo), ist seit 30 Jahren unverändert. Der Wachmann der Schule, der uns zunächst noch etwas mürrisch auf das Schulgelände gelassen hatte, schien seine Entscheidung spätestens dann zu bereuen, als Lena begann Fotos zu machen.
Wir fuhren weiter zum ehemaligen Haus der Familie, wo wir nach kurzem Kennenlernen von der Tochter des neuen Besitzers zum Tee und zur Übernachtung eingeladen wurden (die Gastfreundschaft ist überwältigend). Lena erhielt für die Nacht sogar ihr altes Kinderzimmer!
Wir ließen unsere Sachen im Haus und erkundeten den Ort, der sich nur wenig in all den Jahren verändert hat. Die meisten Straßen sind nicht geteert, Häuser wirken verarmt, jeder lebt von seinem Garten und den dort gehalten Tieren. Unablässig trafen Lena und ihre Eltern alte Bekannte, es wurde geredet und Neuigkeiten ausgetauscht. Alle wollten uns zum Essen und Tee einladen.
Am späten Nachmittag fuhren wir mit unserer Gastgeberin und ihrem Bruder zu einem kleinen aufgestauten See, in welchem der Vater Fischzucht betreibt. Alle durften einmal mit dem Motorboot fahren und zusehen, wie hinter dem Boot die Karpfen aus dem Wasser sprangen. Später holten wir einige Fische aus den Netzen im See, welche wir am Abend zubereiten wollten. Das Entschuppen und Ausnehmen der Fische geschah im Hof, die Innereien fanden mit Hund und Katze glückliche Abnehmer.
Am nächsten Tag, nach einer kurzen Wanderung zum Fluss Kuban (mittlerweile völlig zugewachsen und verwildert, damals als Kuhweide genutzt), wurden wir gegen Mittag von einem Taxi abgeholt, welches uns nach Maikop bringen sollte (113 km, ca. 50€, diesmal mit Gurten). Von hier aus ging es (nach einem Tee) weiter mit einem alten Ford Transit (ein Lieferwagen mit lose eingestellten Sitzbänken!) in ein Hotel nach Guseripl, wo wir uns auf die bevorstehende Mehrtagestour nach Dagomys vorbereiten würden.
Nachtrag: Was immer wieder auffällt ist die Armut die Menschen, gepaart mit unglaublicher und rührender Gastfreundschaft. Beispielsweise muss unsere Gastgeberin in Ladoschskaja als studierte Lehrerin mit 12.000 Rubel im Monat auskommen (ca. 170€). Da dieses Geld für sie und ihren Sohn nicht reicht, gibt sie nebenbei Privatunterricht und lebt bei ihrem Vater. Uns hat es jedoch an nichts gemangelt. Im Gegenteil: Extra für uns wurden neben dem Fisch die besten Sachen, die im Haus waren, aufgetischt (u. A. ein selbstgezüchtetes, gebackenes Hühnchen).
















Liebe Familie Mölders,
mit großem Interesse lesen wir eure Reiseberichte.
Wir wünschen euch eine tolle Zeit und freuen uns auf weitere Infos.
LG Familie Jablonski
Hallo Schwesterchen, Hi Schwager, da wird man richtig neidisch bei dem Bericht und den ganzen Bildern… ?? Und da werden Erinnerungen an die frühe Kindheit wieder wach…
Wirklich, richtig, richtig schön! ???
Wünschen euch viele eindrucksvolle, faszinierende Momente.
Genießt die Zeit in vollen Zügen.
Hallo ihr Globetrotter,
auch aus Birkesdorf die herzlichsten Grüße und alles Gute für die weitere Reise.
?? Regine und Heinz