Land unter in Wladiwostok und Fazit zu Russland

Wladiwostok

Endlich raus aus der Transsib (3 Tage in einem 4-Quadratmeter-Coupé ist echt nicht schön, noch dazu die unhygienischsten Toiletten, die wir bislang gesehen haben), kamen wir in Wladiwostok an. Hier erwartete uns allerdings ein sehr heftiger Regenguss ohne Möglichkeit, sich irgendwo unterzustellen (Bahngleise waren ohne Überdachung). Bereits nach kürzester Zeit waren wir schon ziemlich durchnässt.

Trotzdem packten wir noch schnell unsere Regenjacken aus, zogen sie über und liefen anschließend zum Nachbargebäude, was sich als ein Hafengebäde entpuppte. Es war noch sehr früh am Morgen und nichts los. Also setzten wir uns auf die Brüstung eines in der Mitte stehenden Springbrunnens und harrten etwa 1,5 Stunden aus, bis der Regen etwas nachließ. Es war nicht kalt, aber auch nicht besonders angenehm, als wir uns dann endlich zur Bushaltestelle aufrafften. Nach einigen Minuten und eine Haltestelle weiter erreichten wir unser Hotel. Gepäck abgestellt und auf Erkundungsreise bei Regen.

Es blieb die ganzen 2 Tage verregnet, von kurzen sonnigen Abschnitten unterbrochen. Die Straßen standen unter Wasser oder entwickelten sich bei Dauerregen zu reißenden Bächen, da so gut wie keine Kanalisation vorhanden ist. Es gab keine Möglichkeit, diese trockenen Fußes zu überqueren, so dass wir alle am Ende des ersten Tages auch Wasser in den Schuhen hatten und keine Möglichkeit, diese zu trocknen.

Letzten Endes waren wir froh, Russland nun verlassen zu dürfen, es hatte uns im wahrsten Sinne des Wortes ausgespült.

Wladiwostok von einer Anhöhe

Fazit zu Russland

Es heißt, Wladiwostok sei das San Francisco Russlands und die Gegend um Sotschi dessen Cote d’Azur. Wenn man mit solchen Vorstellungen dorthin reis, wird man zwangsläufig enttäuscht. Das einzige, was San Francisco mit Wladiwostok gemeinsam hat, sind die steilen Straßen und eventuell die Brücke, welche aber auch nur ein wenig an die amerikanische Küstenstadt erinnert. Ebenso hinkt der Vergleich mit der Cote d’Azur.

Wir haben vor unerer Reise erwartet, auf ein weitgehend entwickeltes Land zu treffen, welches mit unseren europäischen Standards mittlerweile mithalten können müsste. Weit gefehlt: Was wir erlebt haben, ist eine zumeist unter Armut leidende Bevölkerung, fehlende oder mangelhafte Infrastruktur, zerfallende Schulen und fehlende soziale Absicherung. Die Menschen können von ihrem Gehalt nicht oder nur schlecht leben, geschweige denn von der kleinen Rente. Auf dem Land ernähren sich die Menschen fast ausschließlich von ihrem eigenen Garten und/oder Nutztieren, Obst- und Gemüseanbau ist kein Hobby, sondern eine Notwendigkeit. In den Städten offenbart sich der extreme Kontrast zwischen Arm und Reich am deutlichsten: Neben alten Plattenbauten, winzigen ungedämmten Wohnungen, rostigen Autos etc. findet man noble Einkaufszentren, Hotels, Oberklasse-Fahrzeuge (meist getunt) und zur Schau gestellter Reichtum durch teure Kleidung, aufwändiges Make-Up (vor Allem extravagante Maniküre) und kühles Autreten. Man zeigt, was man hat.

Im Großen und Ganzen hat uns Russland gut gefallen. Die Menschen sind zunächst meist etwas distanziert, teilweise ungehobelt. Erhält man jedoch die Chance, jemanden besser kennen zu lernen, so entdeckt man, dass sie auch sehr herzlich und gastfreundlich sein können. Vor Allem St. Petersburg hat es uns angetan: Die Menschen sind hier meist locker, freundlich und aufgeschlossen.

2 Antworten auf „Land unter in Wladiwostok und Fazit zu Russland“

  1. Hi Daniel, vielen Dank für eure tollen Berichte. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und Gottes reichen Segen und Bewahrung für dein neues Lebensjahr und eure weitere Reise! LG martin

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